Beobachtet man die gängigen Projektportale in denen Unternehmen auftragsbezogen zusammenfinden, scheint eine besonders gesuchte Spezies die des Scrummasters zu sein. Unser Eindruck ist, dass es viele Auftragsangebote gibt, die Kandidaten für die Besetzung der Scrummaster-Rolle benötigen. Unternehmen und Freiberufler, die sich auf agile Methoden spezialisiert haben und diese Anforderungen bedienen können, hätten also Grund zur Freude ob dieser Auswahl an möglichen Projekten.

Bei näherer Betrachtung solcher Ausschreibungen wird allerdings deutlich, dass darunter häufig Bedarfe formuliert sind, die nur am Rande mit den Aufgaben eines Scrummasters zu tun haben. Das hat verschiedene Gründe:

  • der Begriff Scrummaster wird benutzt, wenn ein Projektleiter für ein agiles Projekt gesucht wird
  • der Anforderer ist sich nicht im Klaren, welche Aufgaben ein Scrummaster tatsächlich hat
  • Unternehmen starten Projekte und geben diesen einen agilen Anstrich, statt die Methodik konsequent umzusetzen
  • Unternehmen haben ihre eigene Interpretation von SCRUM und legen die Rollen unterschiedlich aus
  • Die Aufgaben von Scrummaster und Productowner werden nicht richtig differenziert

Es gibt sicherlich noch mehr Varianten dieser Gründe. Unabhängig davon bleibt es ärgerlich, wenn sich Kollegen auf solche Rollen bewerben und im schlimmsten Fall erst nach Auftragsbeginn die wahre Aufgabenzuordnung erkennen.

Tatsächlich werden also wahrscheinlich weniger „echte“ Scrummaster gesucht, als die Menge der Ausschreibungen vermuten ließe. Für Sie als Scrummaster ist es deshalb unerlässlich, dass potenzielle Aufträge im Rahmen der Angebotsphase intensiv auf die tatsächlichen Aufgaben abgeklopft werden. Gerade für diese Rolle ist dies ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Es gibt viele Kandidaten, die aufgrund der Vorzüge agiler Methoden gerne konsequent nach dem agilen Manifest arbeiten möchten. Das dies in der Praxis nicht immer vollständig funktioniert, ist klar. Darauf müssen sich alle Beteiligten einstellen. Andererseits müssen Scrummaster sich auch nicht verbiegen, wenn sie eine solche Rolle bekleiden sollen. Scrummaster müssen sich darüber im Klaren sein, ob die Rolle tatsächlich ihren Vorstellungen und Maximen entspricht. Wenn nicht, ist es vielleicht besser, den Auftrag nicht anzunehmen.

Außerdem sind alle Beteiligten aufgefordert, Rollen richtig zu definieren, damit Bewerbungsverfahren und Projektbesetztungen nicht an falschen Voraussetzungen oder Annahmen scheitern und unnötig Zeit vergeuden. Die Rolle Scrummaster ist hier nur ein Beispiel für eine inflationär verwendete aber falsche benutzte Rollenbezeichnung. Ähnliches kann auch für die Rollen Productowner, Projektmanager u. A. aufgezeigt werden.

 

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